Salut, Thibault, dankeschöne, dass Du mal kurz vorbeigeschaut hast. Du wirst schon wissen, warum Du Dich dafür entschieden hast, dass das nicht der richtige Ort für Dich ist.
Danke an Euch, für Eure Anteilnahme, für Eure Kommentare.
C’est la vie.
Salut, Thibault, dankeschöne, dass Du mal kurz vorbeigeschaut hast. Du wirst schon wissen, warum Du Dich dafür entschieden hast, dass das nicht der richtige Ort für Dich ist.
Danke an Euch, für Eure Anteilnahme, für Eure Kommentare.
C’est la vie.
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Eine E-Mail, ein Dreizeiler, wie man ihn von der Versicherung bekommt: Sie schreibt, Sie habe starke Blutungen und Schmerzen und es sei jetzt alles vorbei. Mit Thibault und mit mir.
Ich bin total fassungslos. Traurig, verletzt, ungläubig. Kann Sie das wirklich wissen, dass Sie das Embryo verloren hat? Es ist ihre zweite Schwangerschaft, die nicht klappt.
Ihre Art, damit umzugehen – so kalt, so nüchtern macht das kein Kerl.
→ 8 KommentareKategorien: ErIhr Körper · Ihr Körper
Ich sehe manchmal innere Filme. Wie ich mit ihm/ihr kicke, wie wir Skifahren gehen, wie ich ihm/ihr die Welt erkläre – und sie/er mir. Komischerweise fangen diese Filme alle im Sprech-/Geh-/Mach-Alter an. Dass da erstmal ein kleiner Wurm sein wird, der nicht viel können wird außer Dreck und Krach machen – das hat mein innerer Regisseur offenbar noch nicht begriffen.
Und was soll meine Tochter, mein Sohn werden: Eine Verlängerung meiner selbst? Eine Erweiterung? Eine Verbesserung, so wie man sich ein Software-Update herunterlädt? Eine Erneuerung?
Zu verbessern und zu erneuern gibt es Einiges. Bei mir zumindest. Bei Ihr natürlich nicht. Da ist schon alles perfekt.
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Der kleine grüne Strampler liegt auf meiner Kommode, daneben die Söckchen. Das heißt, die Putzfrau weiß es jetzt.
Gestern abend war ich das erste Mal mit Ihr in der Bar, ich selbst war lange nicht mehr da. Der Barmann, er hat selbst eine kleine Tochter, will uns einen ausgeben. Ich werfe mich heldenhaft dazwischen und sage: “Für sie aber ohne Alkohol!”
Er ist ein guter Barmann, er erkennt sofort: Sie ist keine, die normalerweise alkoholfrei lebt. Er grinst. Und fragt: “Wie weit seid Ihr denn schon?”
Wenn er es weiß, und wenn die Putzfrau es weiß, dann weiß es morgen die ganze Stadt.
Sei’s drum.
→ Einen Kommentar schreibenKategorien: Rest der Welt
Die ersten Tage: Wie auf einer Wolke. Ich bin durch die Straßen gegangen, als hätte man mich mit Weichspüler gewaschen. Obama-mäßig sanft, stolz, kraftvoll, so fühlte ich mich. Ließ Allen überall den Vortritt, jeder Kinderwagen auf der Straße verzückte mich.
Jetzt sind die Ängste da.
Die Ängste vor den Fesseln: Ich habe mich, bevor ich Sie kennengelernt habe, naja, wie soll man sagen – schon ziemlich umgeschaut bei den Frauen. Mal die, mal die, mal die und die. Mal ernst, meistens nicht so ernst.
Für einen Vater aber sollten die Herumtreiber-Zeiten vorbei sein. Schaffe ich das: immer die eine, immer die selbe? Ich erwarte das von mir, aber ich habe Angst, das nicht zu schaffen.
Tja, und dann die Angst vor der Kinder-Fessel: Theater, Bar, Kino, Sport, im Job auch mal unterwegs sein – wie soll mein Leben ohne das alles gehen? Ohne meine Freiheiten, ohne jede Spontaneität?
Ich weiß das alles seit Jahren, und ich habe das Gefühl, dass ich reif genug bin und alt genug, um auch mal zu verzichten. Um diesen Wahnsinns-Ego-Trip, auf dem man all die Jahre war, nicht mehr zu brauchen. Und dennoch habe ich ganz schön Bammel davor.
Whow, jetzt bin ich seit einer Woche werdender Vater – ganz schönes Gefühlsachterbahnfahren, was man da mitmacht.
→ 4 KommentareKategorien: Mein Geist
Mit der Zeit begreife ich, dass unsere Schwangerschaft nicht an dem Tag begonnen hat, an dem Sie mir davon erzählte. Sie war schon vorher schwanger, fast einen Monat lang. Und Sie wusste es auch schon eine Weile, fast eine Woche lang.
Ich suche nach Zeichen. Dass Sie den Reissverschluss am Rock nicht ganz zu hatte gestern – ist das schon Mami-bedingt?
Dieses leise, sanfte Lächeln, das ich sonst eher von Bildern der Renaissance-Maler kenne als von Ihr nach einem harten Tag – Mami-bedingt?
Dass Ihr der Espresso gestern früh zu stark war – Mami-bedingt?
Wenn es denn so etwas wie Penis-Neid wirklich gibt, dann gibt es auch Gebärmutter-Neid. Sie hat die ganze Sache voll an und in Ihrem Körper. Für mich ist es saumäßig vage.
Ich wäre gerne nächste Woche zum ersten Gyn-Termin mit Ihr gegangen. Aber Sie will nicht. Sie will wohl nicht, dass ich Sie mit gespreizten Beinen auf einem Stuhl sehe. Oder das sonstwas sein könnte, was Ihr peinlich ist.
Verstehe ich. Muss ich verstehen.
“Ist schon ok, Schatz, dann gehe ich das nächste Mal mit. Nein, macht mir wirklich nichts aus, dass Du mich da nicht dabeihaben willst.”
Was man halt so sagt.
→ 2 KommentareKategorien: Ihr Körper
Nein, ich bekomme kein Kind. Nein, ich werde nicht Vater. Nein, dieser grüne Strampler, der da auf meiner Kommode liegt, ist nicht für mich und nicht für irgendjemanden in meiner Familie. Denn das kann doch alles nicht wahr sein.
Ich Vater? Ich, der ich nicht mal meine Barthaare aus dem Waschbecken abhalten kann; ich, dem Milch und Apfelsaft im Kühlschrank verschimmeln; ich, der ich Papierkrieg mit den Behörden löse, indem ich die Briefe ungeöffnet Wochen lang in meiner Lastwagenplanentasche durch die Gegend herumspaziere – ausgerechnet ich also soll die Verantwortung für ein kleines, nacktes, hilfloses Ding übernehmen? Die starke Schulter sein für eine Frau im Hormonterror? Ich, ausgerechnet ich, soll – Vorbild sein?
Au Backe, das wird nicht gutgehen. Ich kann das nicht wahrhaben, das kann alles nicht sein, das ist doch ein rie-sen-gro-ßer Irrtum.
Oder?
→ 4 KommentareKategorien: Mein Geist
Gestern abend war ich bei H&M und habe den ersten Strampler gekauft. Zwei, genauer gesagt, einen in violett – für Sie. Und einen in grün – für mich. Damit wir schon mal was in der Hand haben. Stand so in einem dieser Ratgeber. Und ich will ja nix falsch machen.
Den violetten habe ich ihr geschenkt, denn violett ist ihre Lieblingsfarbe. War ihre Lieblingsfarbe, bis gestern abend. Seither ist es grün. So was ändert sich schnell, sie ist ja schließlich schwanger. Oder ich hab’ mich geirrt. Kann passieren, ich bin ja schließlich schwanger.
Dann kam die erste Namensdiskussion. Sie schlägt “Thibault” vor.
Thibault. Thibault. Thibault.
Sie ist Französin, deshalb muss man Ihr sowas verzeihen. Aber ich will mir nicht vorstellen, auf welche Ideen Eltern und Kinder in einer Stadt wie der unseren kommen, wie man “Thibault” auf deutsch aussprechen könnte. Und auch richtig ausgesprochen, schmilzt einem dieser Name nicht wirklich auf der Zunge weg. Oder?
Wie also “Thibault” verhindern?
In der Politik ist es ja so: Gibt es ein Amt zu besetzen, sind die Kandidaten am schnellsten verbrannt, die als erste genannt werden. Die besten Chancen haben die, die als letzte aus dem Hut gezogen werden.
Ein Embryo, so habe ich es in einem Ratgeber gelesen, soll einen Namen bekommen. Damit das Ding nicht einfach “das Ding” heißt, damit die werdenden Eltern einen Bezug bekommen.
Ich werde das Ding “Thibault” nennen. Immer und überall werde ich nur von “Thibault” reden. Thibault. Thibault. Thibault. Vielleicht auch noch, der Geschlechtergerechtigkeit halber, “Anais” ins Rennen bringen. “Maeva”. Und noch so unaussprechliches Zeug. Namen, die im Hals kratzen, tagein, tagaus werde ich sie nennen.
Gedankenversonnen werde ich in den Namensbüchern blättern, die sie anschleppt. Werde den Kopf schief legen und in mich hineinhören, wie für mich eigentlich “Gérôme”, “Constance”, “Ségolène” klingt.
Und dann irgendwann, wenn die Wickelkommode längst gebaut ist, vielleicht im Taxi zum Krankenhaus, wenn es ernst wird, und wenn ihr das Gerede von “Thibault” und “Oceane” und “Mathilde” richtig zum Hals raushängt – ja dann werde ich meine Asse ziehen und auf den Tisch knallen. Ganz souverän und ruhig werde ich sie fragen: “Schatz, was hältst Du eigentlich von…” Mehr kann ich hier nicht verraten, wer traut heute noch dem Internet?
Aber das ist jedenfalls meine Strategie.
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Mit Tag(s) versehen: Unser Geist
Wir erzählen noch nichts, kein Wort an niemanden, denn vor dem dritten Monat ist ja noch nix fix. So haben wir es vereinbart.
Mein bester Freund ist dran. “Du, ich muss Dir was erzählen, Du bist der erste, der’s erfährt …”
Irgendeiner MUSS es erfahren, irgendeinem MUSS ich’s erzählen. Ich kann das doch nicht für mich behalten, oder? Und nur mit dem Internet reden, das ist auf Dauer auch fad.
“Was soll es denn werden?”, fragt er mich.
“Wenn ich ehrlich bin: Hauptsache, der Bub wird gesund!”
Werde ich das Kind lieben und achten und ehren und hegen und pflegen wie meinen Augapfel, wenn es eine Tochter wird? Jaaa-ha!!!
Aber will ich, wenn ich’s mir raussuchen kann, einen Sohn? Jaaa-ha!!
Gleichzeitig habe ich Bedenken: Ist das frauenfeindlich, wenn ich mir einen Sohn wünsche? Heißt das, dass ich mir eigentlich einen Kumpel suche, einen Kickerpartner, eine Ausrede für die Sportschau statt einem Kind?
Ich vertage die Suche nach der Antwort auf diese Fragen und gehe in meiner Bar einen Wodka Gimlet trinken. Es werden dann vier. Aber ich habe ja was zu feiern. Ich bin ja schließlich schwanger.
→ 3 KommentareKategorien: Mein Geist
Mein Leben hat plötzlich ein Thema, einen Sinn. Ich werde Leben weitergeben. Von mir bleibt was auf dieser Erde.
Solche Kitschgedanken beherrschen meinen Kopf. Und gleichzeitig der Gedanke: Das sind keine Kitschgedanken. Denn hier geht es um die größte, wichtigste, ernsthafteste Aufgabe, die Du jemals zu erfüllen hast. Vater sein. Alles andere, Job, Sport, Kohle, ja selbst Beziehung: Pillepalle.
Was macht ein Mann, wenn er eine große Aufgabe auf sich zukommen sieht? Er macht ein Projekt draus. Hornbachmäßig. Jetzt heißt es strategisch denken. Keine Fehler machen.
Also klicke ich mich durchs Netz. Downloade einige Broschüren auf den Seiten des Familienministeriums und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Die europäischen Prüfsteine für eine kindgerechte Betreuungspolitik interessieren mich im Moment eher peripher. Das FAQ zum Kindergeld schon eher. Und der “Tourenplaner, der kleine Ratgeber für werdende Väter” (http://www.bzga.de/?uid=78a2428a705a01210e4bcea47e29d7ab&id=medien&sid=-1&idx=802) ist erstmal genau das Richtige.
Erstmal einlesen. Erstmal einen Überblick schaffen über die Lage. Ein Projekt eben.
→ 1 KommentarKategorien: Mein Geist